Monat: Juli 2016

Zerbrochen

Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen. (Matthäus 21,44)

Auf einen Stein zu fallen und Brüche zu erleiden ist eine schmerzliche Angelegenheit und doch verwendet unser Heiland dieses Bild um uns etwas zu verdeutlichen.

Versuchen wir uns einmal das bildlich vorzustellen: was passiert mit einem Menschen der sich alle Knochen bricht?

Abgesehen von den großen Schmerzen wird wohl die deutlichste Folge sein, dass dieser Mensch sich selbst nicht mehr bewegen kann. Und hierauf möchte Jesus hinaus, er möchte dass wir an einen Punkt kommen wo wir aus eigener Kraft heraus nicht mehr handeln können.

Warum ist das Gott so wichtig? Schauen wir uns dazu zwei Verse in der Bibel an:

In Psalm 51,19 lesen wir:

Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten.

In Matthäus 12,20 lesen wir:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht zum Sieg hinausführt.

Hier erkennen wir noch etwas klarer Gottes Absicht und was er unter Zerbrochen sein versteht. Gott hat kein Gefallen an Schmerzen und daran dass Mensch leiden. Und wenn er trotzdem einmal Leid und Schmerz zulässt, dann dürfen wir uns gewiss sein, dass er uns auch die Kraft gibt es zu tragen. Ja wir werden sogar einen Segen daraus erfahren.

Das zerbrochen sein, wovon hier die Rede ist, ist eine Geisteshaltung. Um das besser zu verstehen möchten wir uns zwei Begebenheiten aus der Bibel anschauen. Eine finden wir in Matthäus 14, 13-21

Jesus vollbringt hier ein Wunder, in dem er 5000 Mann, plus Frauen und Kinder mit Nahrung versorgt. Die Jünger hatten selbst nichts bei sich, außer fünf Broten und zwei Fischen. Als Jesus diese Brote brach und austeilte, war es schlussendlich soviel, dass nach der Mahlzeit sogar noch 12 Körbe übrig waren.

Das Brot alleine hätte die Menschen niemals satt machen können. Auch die Jünger waren hier machtlos. Erst als sie es Jesus übergaben und Er es brach, konnte es zum Segen werden.

Die zweite Begebenheit finden wir in Markus 14,3-9

Hier ist Jesus mit seinen Jüngern im Hause Simon, den er vom Aussatz befreit hatte. Er sitzt dort zu Tisch und eine Frau kommt, zerbricht eine Flache kostbaren Salböls und gießt es über sein Haupt. Sogleich wird das ganze Haus mit dem Duft erfüllt, den dieses Öl verbreitete.

Auch hier wird wieder etwas zerbrochen. Das Fläschlein war vielleicht schön anzuschauen, auch war es sehr wertvoll und doch war es in gewisser weise nutzlos und erfüllte erst seinen Zweck als es zerbrochen wurde um Jesu damit zu salben. Im damaligen Israel war es den Menschen sehr wichtig, dass Tote vor Ihrer Bestattung gesalbt werden. Da Jesus aber kurz vor Sabbatbegin starb, hatten seine Nachfolger keine Zeit mehr ihn zu salben. Und als am Sonntagmorgen die Frauen sich aufmachten um das nachzuholen, war Er schon auferstanden. Somit war diese Frau die Einzige, die Jesus damit ehrte und ihm kurz vor seiner Kreuzigung diesen Dienst erwies.

In beiden Begebenheiten muss erst etwas gebrochen werden um nützlich zu sein: Bei der Speisung der 5000 war es das Brot, bei der Salbung Jesu das Fläschchen mit kostbarem Öl. Und so ist es in geistlichen Dingen auch, hier hat Zerbrochen-sein etwas segensvolles. Ein stolzes Herz kann Gott nicht gebrauchen, es muss erst gebrochen werden. Ist es einmal gebrochen, kann es seinen Wohlgeruch verbreiten.

In Hesekiel 37,1-14 lesen wir von einer sonderbaren Begebenheit. Hesekiel hat hier eine Vision, in der er in einem Tal ist und dieses Tal ist übersät mit Knochen. Diese Totengebeine symbolisierten den Zustand des Volkes Israel, nachdem es von seinen Feinden vollständig besiegt worden und ohne jede Hoffnung war. Hesekiel bekommt von Gott den Auftrag zu diesen Gebeinen zu sprechen und ihnen Gottes Wort zu verkündigen. Durch Hesekiel sprach Gott zu ihnen, dass er ihnen ihren Körper zurückgeben möchte, und sie mit Odem des Lebens erfüllen wird.

Wie das tote Israel aus eigener Kraft nichts mehr tun konnte, so sollen auch wir unfähig sein, aus eigener Kraft zu handeln, nachdem wir auf den Fels gefallen sind und zerschmettert wurden. Erst wenn Gott uns seinen Odem einhaucht und seinen Geist in uns legt, sollen wir lebendig werden.

Der Apostel Paulus gebraucht ein sehr ähnliches Bild, indem er schreibt, dass wir mit Christus gekreuzigt und mit Ihm auferstanden sind.

Und an andere Stelle sagt er: nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.

In Hesekiels Vision von den Totengebeinen steht weiter, das Gott dem Volk Israel seinen Geist geben möchte und sie Ihn erkennen werden. Im Hebräischen hat Erkennen eine besondere Bedeutung, es steht für eine tiefe innige Beziehung.

So werden auch wir Gott erst wirklich kennen, wenn wir zerbrochen wurden, und von Gott Odem (Leben) und seinen Geist bekommen haben. Dann erst können wir wirklich Gemeinschaft mit Ihm haben.

Bist du gewillt, dich auf den Stein (Jesus Christus) fallen zu lassen um zerschmettert zu werden? Du wirst es nicht bereuen, denn Gott wird dir ein neues und viel besseres Leben schenken als das, was du aufgegeben hast.